Bitterstoffe

Bitterstoffe spielen in unserem modernen Leben kaum noch eine Rolle.
Die Lebensmittelindustrie hat unsere Geschmacksknospen auf „süß und salzig“ gepolt.

Unsere ursprüngliche Ernährung hatte eine Vielzahl an Bitterstoffen im Sortiment.
In Kräutern, Wurzeln und auch im Blattgemüse ist einiges von ihnen enthalten.

Geschmacksverstärker, Aromen und Düfte sind Lockstoffe für unsere Nasen und Geschmacksknospen.
Zusätzlich noch eine ordentliche Portion Zucker/- Stoffe, Salz und Transfette runden das Angebot ab,- aber bloß keine Bitterstoffe.

Aus Salatsorten wie Chicorée und Endivie werden sie sogar extra herausgezüchtet, damit es für uns vermeintlich besser schmeckt.

Wirkungsbereiche von Bitterstoffen:

  • Appetitanregend
  • Magen
  • Leber
  • Gallenblase
  • Bauchspeicheldrüse
  • gegen Heißhunger auf Süßes
  • natürlicher Schutz gegen Sodbrennen/ Übersäuerung

Die Leber wird in ihrer entgiftenden Tätigkeit angeregt und kann dadurch mehr Giftstoffe ausscheiden.
Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate werden besser aufgeschlossen, wenn bei der Mahlzeit auch Bitterstoffe mitaufgenommen werden.


Kleine Kinder haben eine starke Abneigung gegen Bitterstoffe,- eine durchaus sinnvolle Hilfe der Natur.
Giftige Pflanzen sind in der Regel sehr bitter und wir konnten uns früher auf die Signale des Körpers verlassen, um uns von einer schädlichen Pflanze fernzuhalten.
Kinder, deren Geschmacksknospen noch nicht so stark beeinträchtigt sind, wie die unseren, schmecken noch deutlich intensiver bittere Geschmäcke.

Das Paradoxe:
Die Abneigung gegen Bitterstoffe ist ein Signal unseres Körpers dafür, dass er dringend Bitterstoffe benötigt.

Kräuter und Pflanzen, in denen sich Bitterstoffe finden lassen:

  • Wermut
  • Engelwurz
  • Gewürznelke
  • Fenchel
  • Eberwurz
  • Sennesblätter
  • Chicorée
  • Curcuma
  • Artischocke
  • Lavendel
  • Sauerampfer
  • Andorn
  • Pomeranze
  • Kalmus
  • Zimt
  • Galgant
  • Schafgarbe
  • Löwenzahn
  • Zitwer
  • Ingwer
  • Endivie
  • Majoran
  • Mariendistel
  • Schwarzkümmel
  • Kardamom
  • Kümmel
  • Koriander
  • Enzianwurzel (unter Naturschutz)
  • Gewürznelke
  • Kampfer
  • Rhabarberwurzel
  • Wegwarte
  • Hopfen
  • Tausendgüldenkraut
  • u.v.m.

Maria Treben und auch Hildegard von Bingen haben sehr viel Wert auf Bitterstoffe gelegt.
Maria Treben ist bekannt für ihre Rezepte für kleine und große Schwedenkräuter/ -Bitter und widmet dem Kräuterelixier in ihrem Buch „Heilkräuter aus dem Garten Gottes“ große Aufmerksamkeit.
Schwedenkräuter ist ein altbekannter Trunk der für die innere und äußerliche Anwendung in vielen Bereichen eingesetzt werden kann.

Tipp: Bitterstoffe wirken am besten als Tinktur oder als Tee, weil hierbei die Inhaltsstoffe schon über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können.

Wichtiger Hinweis: Die Einnahme von Bitterelixieren/ Schwedenkräutern solltest du nicht anwenden, wenn du unter Durchfall, chronischen Leberfunktionsstörungen und Darmverschluss leidest.
Halte Rücksprache mit deinem Arzt!

Für die äußerliche Anwendung von z.B. Schwedenbitter solltest du unbedingt beachten, dass das Elixier unter Umständen stark färbend ist.
Kleidung sollte nicht damit in Berührung kommen,- evtl. Flecken auf der Haut gehen schnell wieder weg.
Schwedenbitter wirken kühlend, desinfizierend und fördern die Durchblutung.
Entzündungen und Ekzeme auf der Haut können damit sehr gut gelindert werden.

Auch bei unreiner Haut, kleineren Wunden (Vorsicht brennt) und Insektenstichen kannst du Schwedenkräuter nutzen.

Umschläge um den Hals bei Halsschmerzen sind ebenfalls wohltuend,- oder du gurgelst mit Wasser verdünntem Schwedenbitter.

Ebenfalls haben sich Umschläge bei Gelenksbeschwerden bewährt.

Achtung bitte:
Durch den enthaltenen Alkohol wird die Haut bei mehrtägiger Anwendung ausgetrocknet,- deswegen sollte die Haut rückgefettet werden.

Bei Ekzemen und Aphten im Mundraum kannst du die Stelle mit Schwedenkräutern spülen,- pur eingenommen ist Schwedenbitter nur was für Hartgesottene, verträglicher ist es mit Wasser verdünnt.
Nach dem Ausspülen nicht schlucken, sondern ausspucken!

Rezeptur für kleine
und große Schwedenkräuter

Kleiner Schwedenbitter:

  • 10 g Aloe Vera (es kann auch Enzianwurzel oder Wermutpulver verwendet werden)
  • 5 g Myrrhe
  • 0,2 g Safran
  • 10 g Sennesblätter
  • 10 g Naturkampfer
  • 10 g Zitwerwurzel
  • 10 g Manna
  • 5 g Eberwurzel
  • 10 g Angelikawurzel
  • 10 g Rhabarberwurzel
  • 10 g Theriak venezian
  • 1,5 Liter Doppelkorn

Grosser Schwedenbitter:

  • 26 g Wermut
  • 13 g Myrrhe
  • 1 g Safran
  • 2 g Sennesblätter
  • 2 g Kampfer, echt
  • 9 g Zittwerwurzel
  • 4 g Eberwurz
  • 7 g Angelikawurzel
  • 18 g Rhabarber
  • 18 g Theriak venezian
  • 35 g Muskatnuss
  • 18 g Kalmus
  • 7 g Enzianwurzel
  • 5 g Lärchenschwamm
  • 2 g Tormentill
  • 2 g Bibergail
  • 2 g Muskatblüte
  • 5 g roter Ton
  • 7 g Kieselerde
  • 2,5 Liter Doppelkorn

Die Mischung muss 14 Tage an einem sonnigen Ort ziehen.
Damit die Kräuter gleichmäßig ihre Inhaltsstoffe an den Alkohol abgeben können, muss die Mischung täglich geschüttelt werden.
Nach Ablauf der 14 Tage wird die Mischung mithilfe eines sauberen Moltontuches abgeseiht, in dunkle Flaschen gefüllt und an einem kühlen, dunklen Ort aufbewahrt.

Das sind zwei Varianten für Schwedenbitter,- die Rezepturen können sich teilweise sehr unterscheiden und es gibt eine Vielzahl davon.

Du kannst allerdings auch im Internet (hier zum Beispiel: „Schwedenkräuter- Mischung„) oder in der Apotheke fertige Mischungen kaufen.

Für Schwanger, Stillende und Histamin intolerante ist die Einnahme von Schwedenbitter natürlich nicht empfehlenswert!

Reichere deine Mahlzeiten immer wieder mit Lebensmitteln an, die Bitterstoffe enthalten.

Dein Körper wird es dir danken,- und nach einer Weile schmeckt es auch nicht mehr so bitter! 😉
Auch wenn wir es inzwischen anders gewohnt sind, lassen sich unsere Geschmacksknospen auch wieder in eine natürliche Richtung umpolen!

Täglich 1- 2 Tassen Tee mit einem wohltuenden (Bitter-) Kraut lässt sich auch super in den Alltag einbinden und bedeutet keine allzu große Umstellung!

Persönliche Anmerkung:
Schwedenkräuter ist ein „Standard-Hausmittel“ aus meiner Kindheit.
Ich brauch nur flüchtig an das Elixier denken und schon habe ich den aromatischen kräftigen Geruch in der Nase, den ich schon als Kind geliebt habe.
Zum Einsatz kamen die Kräuter bei uns bei allen möglichen Beschwerden.
Ich nutze sie auch heute noch sehr gerne! 🙂

„Bitter im Mund –
Darm gesund!“

– Volksmund –

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